Es hat etwas vom ESC: Gespannt wie die Sängerinnen und Sänger im Backstagebereich des großen Musikwettbewerbs schauen Kerstin, Nils, Jakob und Nils vom Team SaniC auf den großen Bildschirm – provisorisch im privaten Garten in Saerbeck aufgebaut. Seit einer guten halben Stunde läuft bereits die Siegerehrung des Deutschen Gründerpreises für Schülerinnen und Schüler auf Youtube. Coronabedingt hatten die Macher des Gründerwettbewerbs auf die traditionelle Siegerehrung der Top-10-Teams im Verlagshaus bei Gruner + Jahr in Hamburg verzichtet. 

Dort waren die vier Abiturienten des Wirtschaftsgymnasiums bereits im vergangenen Sommer gewesen und hatten nicht nur einen beachtlichen 9. Platz erreicht, sondern vor allem Blut geleckt – sie wollten noch einmal antreten und mehr erreichen. 

Dieses Mal kam Nils Ehrlich bereits mit einer großartigen Idee aus den Ferien: eine Desinfektionsanlage für die die Plastikschalen, die täglich millionenfach in Sicherheitsschleusen auf Flughäfen, in Gerichten, Museen oder öffentlichen Gebäuden genutzt werden. Weil diese nicht standardmäßig gereinigt werden, sammeln sich Bakterien und Viren auf der Oberfläche. Das hatte Nils in einem Fernsehbeitrag gesehen. „Da muss man doch was machen, dachte er und überzeugte sein Team von der Idee.

Wenige Wochen später präsentierten sie als Team SaniC dem Unternehmenspaten Ansgar Unger vom Flughafen FMO in Greven ihre Idee: „Unser liebevoll bezeichneter „Boxenstopp“ ist eine automatisierte Reinigungseinheit, in der die Röntgenwannen desinfiziert werden,“ erklärt Teamchef Nils Müllmann stolz. „Sie macht Viren schnell den Garaus. Das System besteht aus zwei Einheiten: Über ein Fließband gelangen die Wannen in die erste Kammer, werden dort durch ein fein vernebeltes Desinfektionsmittel flächendeckend gereinigt und in einer zweiten Kammer mit UV-Licht bestrahlt. Das Resultat: 99,9 Prozent der Keime werden getötet. Mit dem Boxenstopp möchte das Team SaniC verhindern, dass sich Viren zukünftig global verbreiten und Menschen daran erkranken.“ „Das war zu Beginn des Jahres, als man fast überall auf der Welt Corona lediglich mit einem gelben Flaschenbier assoziierte, erinnert sich Kerstin Beckersjürgen und schmunzelt. Denn sie weiß natürlich, dass ihnen die aktuellen Ereignisse in die Karten gespielt haben. 

Aber bei der strengen Bewertung der Jury mit Gründungsexperten geht es nicht nur um Aktualität. Hier steht ein Businessplan auf dem Prüfstein, der alles beinhaltet, was auch „Echtgründer“ einbringen müssen: eine umfangreiche Marktanalyse, ein ehrliches Stärken-Schwächen-Profil, eine realistische Strategieplanung, ein abgestimmtes Marketing-Mix-Konzept, ein moderner Webauftritt, eine begründete Rechtsformwahl und nicht zuletzt ein dezidierter Finanzplan für die ersten drei Gründerjahre. Viel Arbeit für die vier, die sich trotz der Widrigkeiten rund um Schulausfall und Abivorbereitung richtig reingekniet haben. Jakob Spellmeyer bringt die Motivation auf den Punkt: „In diesem Jahr wollten wir unbedingt unter die ersten fünf kommen.“ Verständlich – denn die besten Teams qualifizieren sich für das Future Camp, ein individuell auf sie zugeschnittenes, viertägiges Management- und Persönlichkeitstraining auf Schloss Kröchlendorff in der Uckermark. 

Das haben sie in diesem Moment bereits erreicht – das ist klar. Denn das Ranking wird klassischerweise von Platz 10 rückwärts bekannt gegeben. Jetzt bleiben nur noch zwei Teams übrig und schon seit Platz 6 hält es hier in dem gemütlichen Garten in Saerbeck keinen mehr auf den Sitzen: weder das Team noch der begleitende Lehrer und Coach Tobias Raue und die Spielbetreuerin der Sparkasse Anna-Lena Stuecker ertragen die sich aufbauende Spannung. 

Wird es SaniC aus Rheine oder All4Garden aus Würselen? Als die Moderatoren dann zum zweiten Platz etwas mit „Unkraut“ erzählen, ist es allen klar und der Jubel grenzenlos: Das Team SaniC der Kaufmännischen Schulen Rheine ist Bundessieger des Deutschen Gründerpreises für Schülerinnen und Schüler 

Die Laudatio aus dem Bundeswirtschaftsministerium geht in einer Mischung aus Freudenschreien, Umarmungen und ersten Telefonaten völlig unter. Die werden sich die vier SaniCs dann noch einmal in Ruhe auf Youtube anschauen, wenn sich die erste Aufregung gelegt hat. Aber jetzt wird gefeiert bis zum nächsten Morgen. Das hat dann wieder was vom ESC. 

Glückwunsch an Nils Müllmann, Nils Ehrlich, Jakob Spellmeyer und Kerstin Beckersjürgen!

Wer noch mehr über den Erfolg des Teams erfahren möchte liest weiter im STERN!